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Unsere Vorkriegstouren

Sie lieben Automobilwandern mit richtigen Oldtimern. Zwischengas, Doppelkuppeln und Seilzugbremsen sind Ihnen nicht fremd?  Dann werden Sie sich auf unseren Vorkriegstouren richtig wohlfühlen! Aber sehen Sie selbst.

 

Ohne Anspruch auf Vollzähligkeit hier eine kleine Auflistung bisheriger Teilnehmerfahrzeuge:

Automobile:

- Adler:       Trumpf Sport, Trumpf Junior, Trumpf Junior Buhne Cabriolet, Sport

- Aero:        Typ 18, Typ 30

- BMW:       321 Cabriolet, 327

- Citroen:   5HP Typ C, 5HP Typ C3, B2, AC4, AC6, Rosalie, TA 11BN

- Darracq:  4 Zylinder Zweisitzer 1908

- DKW:       4=8, F7, F8

- Dodge:    Typ 18

- Ford:        diverse Model A, Rheinland

- Guerry et Bourguignon:  2 sitziger Phaeton 1902

- Hanomag: Sturm

- Jaguar:    SS 3,5 Liter Saloon

- Lancia:     Lambda

- Opel:         Six, 1,2 Ltr, Kapitän Gläser Cabriolet

- Peugot:    202, 402

 

Kräder:

- Ardie

- BMW:                        R75 Wehrmachtsgespann

- Royal Ruby:            Model Russian Gespann

- DKW:                        RT 3Ps Sport, RT 200

- Görike:                     98ccm

- DMW 

- Brough Superior:   SS80

- Sarolea

 

 

 

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Unsere Vorkriegstouren finden seit 2007 jährlich statt. Teilnahme berechtigt sind Fahrzeuge, die vor 1945 so produziert wurden. Also auch Vorkriegsfahrzeuge die so unverändert nach 1945 vom Band liefen (Beispiel DKW / IFA F8, Mercedes 170V). Die Touren sind als touristische Tagesfahrt ausgelegt. Der Startpunkt liegt dabei immer im Dunstkreis der Gemeinde Bruchhausen-Vilsen. Über den Tag verteilt wird so eine Strecke von ca. 65 Kilometern auf Nebenstraßen zurück gelegt. Auf den von uns genutzten Wegen begegnen wir nur Radfahrern und dem ein oder anderen Reiter. Die "erfahrene" Gegend ist leicht hügelig aber große Steigungen sind hier nicht zu finden.

Die Reisegeschwindigkeit liegt bei einem Schnitt von ca. 20 Stundenkilometern. Blumenpflücken während der Fahrt ist also erlaubt!

Um unsere Fahrten aber auch für die Familie interessant zu machen, steuren wir Zwischenziele an die nicht unbedingt was mit Oldtimern zu tun haben. So haben wir in den vergangenen Jahren eine Windmühle (2011), eine Dampfkornbrennerei (2010), ein Puppenmuseum (2009), ein Druckereimuseum (2007) oder eine über neunhundert Jahre alte Stiftskirche (2008) besucht. Startpunkt war bisher entweder das Automuseum Asendorf oder die Museumseisenbahn Bruchhausen-Vilsen.

Im Durchschnitt nehmen 20 Fahrzeuge an diesen Fahrten teil. Wobei ca. ein Drittel davon Motorräder sind. Das bisher älteste teilnehmende Fahrzeug stammte aus dem Jahre 1908, wobei der einzig je gebaute Guerry von 1902 auch schon mehrmals als Gast gesichtet wurde. Sein Besitzer zog die Teilnahme in einem stärkeren, aber kaum jüngeren Fahrzeug jedoch vor. Der Guerry wird über ein Reibrad von einem Einzylinder De Dion Motor angetrieben.

 

Um teilzunehmen ist weder ein Fahrzeugpass noch eine Clubmitgliedschaft erforderlich!

Weitere Bilder werden nach und nach eingefügt!

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2008 - Zweite Ausfahrt für Fahrzeuge bis Baujahr 1945


Unter dem Namen „Historischer Tag“ führte die LG Weser-Ems am 28.06.08 eine Ausfahrt für Fahrzeuge bis Baujahr 1945 durch. Der „Historische Tag“ wird seit Jahren vom Deutschen Eisenbahn Verein (DEV) in Bruchhausen- Vilsen veranstaltet. Hier wird dem interessierten Eisenbahnfan gezeigt, wie Kleinbahnen in Deutschland den Verkehr abwickelten. Da die Kleinbahnen ihre Hochzeit kurz nach Ende des ersten Weltkrieges hatten, hätten unsere teilnehmenden Fahrzeuge perfekt dazu gepasst. Die diesjährige Ausfahrt sollte diese Veranstaltung zum Etappenziel haben. Leider erfuhren wir erst kurz vor der Ausfahrt, dass der „Historische Tag“ wegen Personalmangels ausfallen muss. Nach einigen Telefonaten fuhren die Kleinbahner für uns allerdings ein beeindruckendes Notprogramm! Nun aber der Reihe nach.


 



Als ich um kurz nach halb neun die Hallentore öffnete, um meinen Citroen 5HP Typ C Torpedo und Papas DKW Motorrad startklar zu machen, fing es auch schon an zu regnen. Immer nach dem Motto „Es gibt kein schlechtes Wetter – nur die falsche Kleidung“ fuhren wir in Begleitung eines 1918er Dodge zum Startpunkt am Automobilmuseum Asendorf. Dort angekommen, fing es richtig an zu duschen. Was uns aber nicht weiter störte, schließlich konnte man sich das kleine aber feine Museum anschauen und heißen Kaffee gab es auch noch. Im Museum selbst ist in diesem Jahr, noch bis zum dritten Oktober, eine Sonderausstellung zur Entwicklung des Rades zu sehen. Für mich von besonderem Interesse war allerdings ein ausgestellter Scheunenfund. Ein privater Sammler stellte dem Museum einen kürzlich bei Abbrucharbeiten wieder aufgetauchten Borgward Hansa 1800 zur Verfügung. Das Fahrzeug wurde nach einem Motorschaden 1963 in der Nähe von Bielefeld eingemauert. Offensichtlich musste es damals so schnell gehen, dass nicht einmal Zeit war den Wagen abzumelden….


 


Gegen halb elf waren dann alle Teilnehmer eingetroffen und pünktlichst zum Start hörte es auf zu regnen. Die Freude darüber währte aber nur kurz. Immer wieder öffnete Petrus seine Schleusen, um kurz drauf die Sonne wieder herunter brennen zu lassen. Die erste Etappe führte uns über Nebenwege zum Bahnhof Heiligenberg des DEV. Leider fiel auf halber Strecke ein Aero mit Hinterachsproblemen aus. Für die Besatzung ging die Tour dann auf den Rücksitzen eines Ford A weiter. In Heiligenberg angekommen wurden die Fahrzeuge auf der gepflasterten Ladestraße abgestellt. Um die (regenfreie) Wartezeit auf unseren Zug zu verkürzen gab es eine Art Brunch. Pünktlich um 12:45 Uhr kam unser Zug in den Bahnhof gerollt. Für unsere Gruppe stellte der DEV den Triebwagen T41 als Sonderzug zur Verfügung.



 


Dieser Triebwagen, vom Volksmund „Maus“, „Ameisenbär“ oder auch „Schweineschnäutzchen“ genannt, wurde als erstes Serienfahrzeug seiner Art 1933 von der Waggonfabrik Wismar an die „Steinhuder Meerbahn“ geliefert und dort als T41 in den Dienst gestellt. Der „Wismarer Schienenbus“ wie er im Amtsdeutsch heißt wurde für verschiedene Spurweiten gebaut und an norddeutsche Kleinbahnen ausgeliefert. Das damals aufkommende Automobil bedeutete das Aus für viele Kleinbahnen. Um den Untergang abwenden zu können, wurde der „Wismarer“ durch das „Landeskleinbahnamt Hannover“ in Auftrag gegeben. Sein Vorteil gegenüber dem Dampfzug war zum einen die Personalersparnis und zum anderen der günstige Preis und die günstigen Unterhaltungskosten. Um Kosten zu sparen verwendete man beim Bau LKW-Teile aus der Ford Fertigung. So ist der Antriebsstrang zwar zweimal vorhanden, dieser stammt aber komplett aus einem Ford AA oder Ford BB. Gefahren wird dabei immer mit dem in Fahrtrichtung vorne liegenden Motor. Man konnte so die Entwicklungskosten für ein aufwändiges Zweirichtungs- Getriebe sparen. Auch die Fahrzeugachsen stammen vom LKW. Auf diese Weise fuhr ein solcher Schienenbus mit sechs Fahrgästen wirtschaftlich. Damals hochmodern war der gesamte Wagenkasten als Schweißkonstruktion ausgeführt. Unser T41 fährt, wie die gesamte Museumsbahn, auf Meterspur.


 


Nach vier schaukelnden Kilometern war dann Bruchhausen-Vilsen erreicht. Hier hatten wir die Möglichkeit, die umfangreiche Kleinbahn-Fahrzeugsammlung und die Werkstätten des DEV zu bewundern. In Bruchhausen-Vilsen sind über einhundert zum größten Teil restaurierte Fahrzeuge ehemaliger deutscher Kleinbahnen zu hause. Hier sollte man sich vor Augen führen, dass die meisten Kleinbahnen Anfang der fünfziger Jahre endgültig von den Landkarten verschwunden sind. Die meisten Fahrzeuge wurden verschrottet. Einige hatten jedoch Glück und überlebten als Hühnerställe, Garagen, Gartenlauben oder auf Spielplätzen. Sie wieder ins Leben zurück zu holen und ihre typischen Einsatzgebiete in einem lebendigen Museum aufzuzeigen hat sich der DEV auf die Fahne geschrieben. Hierbei werden die Fahrzeuge soweit wie möglich in den Lieferzustand zurückversetzt restauriert. Beachtenswert ist auf jeden Fall, dass beim DEV alles ehrenamtlich erledigt wird. Und das geht sogar soweit, dass man in der glücklichen Lage ist, benötigtes Personal selbst ausbilden zu können und zu dürfen. So zieht man sich hier nicht nur das fahrende Personal selbst heran sondern auch Gleisbauer oder das Fachpersonal für die Restaurierung der Fahrzeuge. In der großen Werkstatt werden die meisten erforderlichen Arbeiten selbst ausgeführt. Dies kann bis zum kompletten Neubau eines Dampflokkessels oder eines Wagenkastens gehen…

Um 14:00Uhr ging es dann unter Dampf zurück nach Heiligenberg. Zuglok des planmäßigen Personenzuges war die 1899 von Hanomag an die „Kleinbahn Hoya-Syke-Asendorf“ gelieferte Lok „Hoya“. Sie ging im Jahre 1900 auf ihrer Stammstrecke in den Dienst. Die heutige Museumsbahn ist ein Teil ihrer alten Stammstrecke, die sie nie verlassen hat. Die „Hoya“ und die baugleiche „Bruchhausen“ (steht heute als Denkmal vor dem Bahnhof) waren die ersten betriebsfähigen Museumslokomotiven in Deutschland! Der vollbesetzte GmP (Güterzug mit Personenbeförderung) verlangte der kleinen Maschine und ihrer Mannschaft alles ab. Durch das teilweise sehr schlechte Wetter waren die Gleise im Steigungsbereich des Vilser Holzes schmierig und glatt. Dies führte immer wieder zu kurzzeitigem Schleudern der Maschine. Man darf nicht vergessen die Strecke durch das Vilser Holz ist eine der steilsten Bahnstrecken in Norddeutschland! Nach vier Kilometern, einem Bahnhof und zwei Haltepunkten war unser Endpunkt der Bahnhof Heiligenberg erreicht. Hier wurde der mitgeführte Güterwagen ausgestellt und der Zug setzte seine Reise nach Asendorf ohne uns fort. Für die vier Kilometer benötigte der Kleinbahnzug satte 25 Minuten.

Wieder bei unseren Fahrzeugen angekommen ging es weiter nach Bücken. Zuvor mussten jedoch ein paar Startprobleme, die Zündung einer DKW mochte die Nässe nicht sonderlich, gemeistert werden. Hier kamen wir, nach Zündungsproblemen der zweiten DKW, mit einer satten Stunde Verspätung an. Dadurch fiel für uns die angedachte Führung durch die Stiftskirche leider aus.
Bücken wurde im Jahre 886 durch eine kirchliche Fügung gegründet. Die evangelische Stiftskirche St Materniani et St Nocolai zu Bücken wurde im zwölften Jahrhundert errichtet. Das Stift Bücken wurde von den Geistlichen aus Bremen als Zufluchtsort, wenn es ihnen in der Hansestadt zu heiß wurde, genutzt…. Der Stift wurde entsprechend seiner Bestimmung angelegt und ausgestattet. Die Kirche ist in ihrer gesamten Geschichte bis heute weder geplündert noch beschädigt worden. Diesem Umstand ist es zu verdanken, dass heute noch, unter anderem, die originalen Kirchenfenster aus der Zeit vor 1250 verbaut sind!



 


Nach dem wir, sozusagen im Eilgang, die Kirche besichtigt hatten ging es dem Endpunkt nach Berxen entgegen. Hier haben wir, um Zeit zu sparen, den direkten Weg gewählt. Auf dem Weg zum Ziel gab es die letzte Dusche des Tages. In Berxen angekommen gab es dann nicht nur genug zu essen sondern auch eine „Vorführung“ wie man ein 105 jähriges Automobil bedient und was man beachten muss um den Guerry von 1903 fahren zu können…. Der Guerry fuhr übrigens nur wegen des schlechten Wetters die Tour nicht mit. Da sich aber das Wetter am Ziel von seiner besten Seite zeigte, wurde er aus der Halle gefahren und drehte dann zur Begeisterung aller einige Ehrenrunden.




Guerry & Bourguignon war ein Kutschenhersteller in Paris. Für den Automobilsalon in Paris baute man 1903 dieses hier vorgeführte Fahrzeug. Der Wagen mit seinem Einzylinder De Dion Motor fand aber so wenig Zustimmung, dass man sich entschied kein zweites Automobil in der weiteren Firmengeschichte zu fertigen. Der Wagen verschwand in der Versenkung und tauchte erst in den sechziger Jahren in Holland wieder auf. Heute ist er in der Nähe von Oldenburg zuhause.
Gegen 23:00 Uhr war dann auch der letzte Teilnehmer Richtung Heimat aufgebrochen. Für alle stand fest, nächstes Jahr wieder dabei zu sein, um einen Tag lang, auf ca. 60 Kilometer, ein Stück Niedersachsen auf Wirtschaftswegen zu erfahren und um, wie die Tagespresse es nannte, echte Oldtimer zu genießen. Auch der, inzwischen genesene, Aero wird dann wieder dabei sein…