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Landesgruppe Ostsee - Über uns

 

 

Vereinshistorie

 

 

Prägend für den Deutschen Automobil-Veteranen-Club e.V., kurz DAVC, der im Jahre 1965 gegründet wurde und sich mit insgesamt rund 1500 Mitgliedern in zurzeit 14 Landesgruppen untergliedert, ist vor allem die Markenvielfalt an Automobilen, Motorrädern und anderen Kraftfahrzeugen. Angefangen von den Vorkriegsfahrzeugen, wie beispielsweise einem Clement von 1902, über Fahrzeuge der 50er und 60er Jahre bis zu den Youngtimern der 80er Jahre ist alles vertreten.

So auch in der Landesgruppe Ostsee e.V., in der sich aktuell 79 Oldtimerfreunde (und –freundinnen) der Erhaltung und Förderung historischer Fahrzeuge als Kulturgut verschrieben haben. Neben den Freunden vierrädriger Fahrzeuge gehört auch eine Gruppe von Motorrad-Enthusiasten zum festen Stamm. Von den zahlreichen Autos, einigen Motorrädern und diversen Traktoren sind noch einige Fahrzeuge in guten Restaurierungshänden oder warten als Sammlerobjekte im Dornröschenschlaf auf einen Prinzen.

Aber wie kam es überhaupt zur Gründung der Landesgruppe Ostsee?

Ein Verein entsteht in der Regel nicht über Nacht. Auch ein Automobil-Veteranen-Club nicht. Das verbindende Element war die Faszination für alte Fahrzeuge, vorzugsweise Vorkriegsmodelle. Aber auch die Fahrzeuge der vierziger, fünfziger und sechziger Jahre, die anfangs noch auf Entwicklungen basierten, die vor dem 2. Weltkrieg ersonnen wurden.

 

Schrauben, reparieren, restaurieren – vieles geht leichter mit gegenseitiger Unterstützung. Vor allem auch das Aufspüren von Ersatzteilen verlangt Informationen und gute Kontakte. Die Lübecker Oldtimer-Szene beginnt bereits Anfang der 70-iger Jahre, sich zu formieren. Treffpunkt ist die Werkstatt von Walter Sewert in der Borsigstraße. Genau genommen lag die Keimzelle in Hamburg durch den Kontakt zur Landesgruppe Hanse des DAVC. Aber aufgegangen ist die Saat in Lübeck, als 12 Lübecker Veteranenfreunde zusammen mit weiteren 13 Oldtimerenthusiasten im Jahre 1979 die Landesgruppe Ostsee des DAVC gründeten. Seither kann die Landesgruppe auf eine mehr als 30jährige Geschichte eines sehr aktiven und erfolgreichen Vereinslebens zurückblicken.

 

 

 

 

Ihr erster Präsident war ein ausgesprochener Fuchs in Sachen Oldtimer - Walter Sewert. Er führte die Geschicke der Landesgruppe Ostsee äußerst souverän von 1979 bis 1986.

 

 

In diesem Zeitraum wurden unter anderem mehrere Großveranstaltungen erfolgreich durchgeführt, so das Deutschlandtreffen des DAVC als FIVA A-Rallye (1. Passat-Rallye) 1981. Zwei Jahre später folgte die 2. Passat-Rallye, beides Veranstaltungen mit über 100 Teilnehmern.

 

Von 1986 bis Anfang 1996 hatte die LG Ostsee eine Frau als Präsidentin, die mit ihrer Wahl als erste Frau an der Spitze eines Oldtimervereins für Medieninteresse sorgte, u.a. mit einem ausführlichen Artikel im STERN. Ursula Röhl führte in dieser Zeit mit viel Umsicht, Herzlichkeit und großem Erfolg die nördlichste Gruppe des DAVC.


1988 war unsere Landesgruppe maßgeblich an der Organisation der „Norddeutschlandfahrt“, einer Oldtimerrallye durch Niedersachsen und Schleswig-Holstein, beteiligt. Vor einer großen Heraus- forderung stand die Landesgruppe 1993, als es galt, den „European Main Event“ als internationale Rallye der FIVA, zugleich mit dem Deutschlandtreffen, auszurichten. Erstmalig führte die Route nach der Grenzöffnung Richtung Mecklenburg zur Landeshauptstadt Schwerin. Viele Gäste aus dem In- und Ausland fühlten sich mit ihren Oldtimern „bi uns an de Waterkant“ sehr wohl.

 

Im März 1996 trat Detlef Sewert in die Fußstapfen seines Vaters Walter und leitete die Landes-  gruppe bis 2004. Mit großem Engagement hat er die Entwicklung der Landesgruppe gefördert und dank seines Organisationstalentes zu einer Vielzahl erlebnisreicher Veranstaltungen rund um das Oldtimerhobby beigetragen.

In diese Zeit fällt auch der Beginn einer besonderen Beziehung zur Vorwerker Diakonie, einer Behinderteneinrichtung. Seit 1995 findet jährlich mit behinderten Menschen eine gemeinsame Ausfahrt mit den Oldtimern statt.

 

 

Von April 2004 bis März 2008 steuerte Peter Rade die Geschicke der Landesgruppe Ostsee. Er intensivierte die Verbundenheit mit Freunden aus Norwegen und dem Norsk Veteranvogn Klubb und war Mitorganisator der ersten Hanse Rallye im Jahr 2004.

 

Ein Höhepunkt war die in 2008 mit dem norwegischen Oldtimerclub NVK organisierte 3. Hanse-Rallye als FIVA B-Rallye für Fahrzeuge bis Baujahr 1939, an der Oldtimerfreunde aus Norwegen, Dänemark und Deutschland teilnahmen. Insofern versteht sich unsere Landesgruppe auch als Brücke des DAVC nach Skandinavien.

Unser derzeitiger Präsident Georg Sewe hat seit März 2008 mit großem persönlichen Einsatz und neuen Ideen nicht nur die Landesgruppe Ostsee weiterentwickelt, sondern zugleich als Präsident des DAVC e.V. dazu beigetragen, den Gesamtverein zu reformieren. Unter seiner Initiative und Regie wurde durch den Vorstand eine neue Satzung erarbeitet, die es der Landesgruppe ermöglichte, als eigenständiger Verein korporatives Mitglied im DAVC zu sein. Dieser Schritt erfolgte im Mai 2011 durch Umbenennung des 2005 von den Mitgliedern der Landesgruppe Ostsee gegründeten Lübecker Automobil-Veteranen-Club e.V. (LAVC) in DAVC LG Ostsee e. V..

 

Ihm ist es auch zu verdanken, dass nach einer längeren Pause die über viele Jahre vom ACV im Raum Lübeck durchgeführte, traditionelle 7-Türme-Veteranen-Fahrt seit dem Jahr 2011 von unserer Landesgruppe im neuen Gewand erfolgreich veranstaltet wird.

Ein herausragendes Ereignis, insbesondere für die noch aktiven Gründungsmitglieder, war die Feier zum 30jährigen Bestehen der Landesgruppe Ostsee am 8. Dezember 2009 im Maritim Travemünde. Besondere Verdienste hat sich unser 2013 verstorbenes Ehrenmitglied Dr. Falk Gottwald erworben. War er es doch, der die Kontakte zu den skandinavischen Oldtimerclubs aufgebaut und gepflegt hat. Dies führte mit dem Norsk Veteranvogn Klubb zur gemeinschaftlichen Durchführung der „Hanse-Rallye“, erstmals 2004, im zweijährigen Wechsel in Bergen und Lübeck.

 

Die DAVC Landesgruppe Ostsee sollte aber nicht nur geistige Heimat sein. Durch Initiative einiger Mitglieder und der damaligen Präsidentin Ursula Röhl ist es 1987 gelungen, der Landesgruppe ein Clubhaus mit Bastelhalle und dem Clubheim „Zur Zapfsäule“ zur Verfügung zu stellen. Hier werden Oldtimer untergestellt, restauriert und gepflegt.
In der Zapfsäule treffen sich Mitglieder zwecks Gedankenaustausches und manchmal auch zu einer fröhlichen Feier.

So ist die „Zapfsäule“ zu einem wichtigen Knotenpunkt und zur Drehscheibe unseres Vereinslebens geworden. Unsere hier stattfindenden, monatlichen Veranstaltungen würzen wir mit interessanten Vorträgen und Filmen.

 

 

Ein wesentlicher Faktor und eine Bereicherung der meist fachlich geprägten Zusammenkünfte ist der hohe Frauenanteil in unserer Landesgruppe. Ohne das weibliche Element wäre die Organisation von Groß-  veranstaltungen, wie das alljährlich in Lübeck-Blankensee stattfindende DAVC-Oldtimertreffen mit Teilemarkt, oder die Gestaltung besonderer Vereinsabende mit kulinarischen Genüssen nur schwer vorstellbar.

 

Organisations- und Gestaltungsfreude sind markante Eckpfeiler unseres Vereins. Dies wurde bei unserem jüngsten Projekt von mehreren Mitgliedern unter Beweis gestellt, galt es doch, einen unscheinbaren Niederfluranhänger derart umzubauen, dass er als mobiles “Informations- und Begegnungszentrum” bei allen denkbaren Veranstaltungen eingesetzt werden kann. 

Hier endet die Vereinshistorie – vorläufig. Neue Mitglieder mit neuen Ideen und Impulsen werden sie weiterschreiben!


Lübeck, im Oktober 2014

 

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Faszination und Motivation

 

 

Worin besteht überhaupt die Faszination, sich mit historischen Fahrzeugen zu beschäftigen?

 

So unterschiedlich, wie die Fahrzeuge aus der, mehrere Epochen umfassenden, Fahrzeug-Historie, so verschieden sind die Menschen und ihre Motive für das gemeinsame Hobby. Bei näherer Betrachtung lassen sich sechs Kategorien ausmachen:

 

TECHNISCHE BEGEISTERUNG

DESIGNENTHUSIASMUS

AUTOMOBILES GESCHICHTSVERSTÄNDNIS

HANDWERKLICHE HERAUSFORDERUNG

GOLDGRÄBERSTIMMUNG

FAHRSPAß.

 

Bei der TECHNISCHEN BEGEISTERUNG steht der Respekt vor der damaligen Ingenieurskunst im Vordergrund. Am Anfang steht immer eine Idee, deren Umsetzung oft von Rückschlägen begleitet wird und daher einen unerschütterlichen Glauben an den Erfolg verlangt. Umso bemerkenswerter sind die Innovationen aus der Pionierzeit des Automobilbaues, zumal man berücksichtigen muß, dass die Präzision mit den ehemals zur Verfügung stehenden Herstellungsmethoden und Werkzeugen von den heutigen Möglichkeiten astronomisch weit entfernt waren. 

 

Über DESIGN ließ sich schon immer trefflich diskutieren. Obwohl das Design im Automobilbau auch künstlerische Aspekte aufweisen kann, kommt es, im Gegensatz zur Kunst, sehr viel mehr darauf an, den Geschmack einer breiten Käuferschicht zu treffen. Jedenfalls dann, wenn man finanziell überleben möchte. Vielleicht war das mit ein Grund, weshalb in den Anfangsjahren von den Automobilherstellern überwiegend nur das Chassis und der Motor produziert wurden. Für den Karosseriebau gab es eine Vielzahl individueller Handwerksbetriebe. Allerding waren diese Fahrzeuge für die Masse unerschwinglich. Aber auch mit Beginn der industriellen Massenproduktion wurde Wert auf individuelles Design gelegt, wohingegen bei heutigen Modellen oft der Eindruck von Austauschbarkeit entsteht.

 

Die GESCHICHTE des Automobilbaues, aber auch die Historie der Motorräder bietet viele spannende Facetten. Ob es die Automarken sind, von denen heute eine Vielzahl gar nicht mehr existiert, oder die Personen, Erfinder, Fabrikanten und Rennfahrer. Sie alle erzählen von der wechselvollen Geschichte des motorisierten Fahrzeugbaues und sind untrennbar mit ihr verbunden.

 

Nicht nur gelernte Automechaniker, auch Autodidakten mit zwei rechten Händen lieben die HANDWERKLICHE HERAUSFORDERUNG, wenn es darum geht, wieder etwas in Ordnung oder zum Laufen zu bringen, ob es die Technik, die Elektrik oder die Karosserie ist. Nicht immer muß es gleich ein kompletter Neuaufbau sein, obwohl diese Art der Restaurierung zu Recht als hohe Kunst unter den Oldtimerfreunden gilt. Dies setzt jedoch nicht nur ein umfassendes Wissen über das zu restaurierende Fahrzeug voraus, sondern auch eine entsprechende Werkstattausrüstung. Aber Erfolgserlebnisse lassen sich auch bei der Restaurierung einzelner Teile erzielen, je nach selbstgewähltem Anspruch.

 

Die früheren Goldgräber freuten sich riesig, wenn sie nach langer, mühevoller Arbeit ein kleines Klümpchen des begehrten Edelmetalls fanden. Oldtimerbesitzer suchen zwar nicht nach Gold, aber die Freude über ein lange gesuchtes, seltenes Ersatzteil ist nahezu identisch. Diese Art von GOLDGRÄBERSTIMMUNG ist es, die zu häufigen Besuchen von Teilemärkten verführt und durchaus ansteckend sein kann.

 

Ob in einem Rolls Royce Silver Ghost oder in einem Opel Olympia Rekord P1, ob in einem Porsche 356 oder in einem Ford Mustang, die Ausfahrten in unseren historischen Fahrzeugen werden zu unvergesslichen Erlebnissen. Dabei spielt die Geschwindigkeit, jedenfalls für die meisten von uns, keine Rolle. Auf den FAHRSPAß kommt es an. Und der ist mit modernen Fahrzeugen nicht zu erreichen, auch wenn Brems- und Lenkmanöver bei schweren Vorkriegsmodellen den ganzen Mann oder die ganze Frau fordert.

 

Auch Kombinationen der skizzierten Motive in allen denkbaren Facetten lassen sich problemlos in jedem Old- und Youngtimerfreund integrieren. Dies ist der Stoff, der Alt und Jung zusammenhält.

 

Hans-Joachim Rose

 

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